(Update )
Breivik ganz normal. Und gut, dass wir da keine Probleme mit merkwürdigen "Analysen" haben, nicht war.
"Es ist so, dass es gar keine statischen Verweise auf "Geschichte" geben kann, denn "Geschichte" ist ja immer das, was aus einer Position in der Gegenwart behauptet wird, die Gegenwart aber löst sich in der Zukunft auf, so muss der Verweis ein sich dauernd wandelnder sein, um überhaupt etwas sagen zu können. Allenfalls die Quellen und Artefakte der Vergangenheit sind statisch, doch selbst ihre Betrachtung wandelt sich mit dem Fortschritt der Analyse. So ist jeder Versuch "Geschichte" als einen statischen Verweis auf Vergangenheit zu definieren von vornherein zum Scheitern verurteilt. Um seine "Wahrheit" dauernd aufrechtzuerhalten flüchtet der statische Verweis in die Ideologie und die Moral."
[anderer Text - Vertiefung des Themas vor dem Hintergrund bisweilen fragwürdiger NS-Aufarbeitung/leeres NS-Gedenken/staatlich verordneter Anti-Faschismus als "Geste" entlastender Handlungsweisen: "Mahnmal des Mahnmals - mind the gap"]
„Ein Blatt soll's werden für's Haus und für die Familie, ein Buch für Groß und Klein, für Jeden, dem ein warmes Herz an den Rippen pocht, der noch Lust hat am Guten und Edlen! Fern von aller raisonnirenden Politik und allen Meinungsstreit in Religions- und anderen Sachen, wollen wir Euch in wahrhaft guten Erzählungen einführen in die Geschichte des Menschenherzens und der Völker, in die Kämpfe menschlicher Leidenschaften und vergangener Zeiten. Dann wollen wir hinauswandern an der Hand eines kundigen Führers in die Werkstätten des menschlichen Wissens, in die freie Natur, zu den Sternen des Himmels, zu den Blumen des Gartens, in die Wälder und in die Eingeweide der Erde, [...]. So wollen wir Euch unterhalten und unterhaltend belehren. Über das Ganze aber soll der Hauch der Poesie schweben [...] und es soll Euch anheimeln in unserer Gartenlaube, in der Ihr gut-deutsche Gemüthlichkeit findet, die zu Herzen spricht.“
Keil, Ernst, 1853, "Willkommen", in: "Die Gartenlaube". Illustrirtes Familienblatt, Leipzig: 1
Update 29.11.2011
Das ist eben der Fortschritt der medizinischen Wissenschaft - eiskalt tötende und berechnende ideologisch gefestigte Massenmörder sind im Lichte der Mitternachtssonne irgendwie "geisteskrank" - ich Skandinavien - im weitesten Sinne ein Sanatorium für Wikinger - das war klar. Auf der anderen Seite - ich mein, dass Nationalismus und Faschismus keine Meinung und keine politische Richtung sondern eher ein Fall für die geschlossene Abteilung sind, dies war irgendwie auch schon immer klar - nur wer verdammt nochmal hat diese Irren z.B. in Deutschland seinerzeit angestachelt - und die NSU - N_achhut S_chizophrener U_nterbelichteter - die NPD N_eo P_athologische D_umpfbacken? Irgendwie schon, aber irgendwie auch nicht. Die Rechtspopulisten, wäre dann sowas wie die ambulante Selbsthilfegruppe nicht ganz so durchgeknallter - sozusagen die Borderliner des echten Faschismus - immer hart an der Grenze - ja ja - die Mitternachtssonne, die hat schon so manchen Geist eintrocknen lassen.
Update 13.11.2011
"Echt deutsche Terroristen" - der Überschrift bei "die-presse.com" vom 12.11.2011 ist nichts hinzuzufügen - ausser der Rest unten:
(25.07.2011)
Interessant ist ein Interview mit dem norwegischen Philosophen Helge Hoibraaten. Wobei man den "Krieg gegen Muslime", meiner Meinung nach, nur als Teil einer Strategie sehen kann, als Aufhänger, nicht als Kern, es geht dabei um Polarisierung und Radikalisierung. Aus der Propaganda gegen Muslime, als Durchlauferhitzer, folgen dann ja weitere Schritte. Diese Schritte sind es, die eine Dynamik nach Rechts entwickeln und immer weiter ausufern, bis zum "Kulturkampf" um "Europäische Werte", der dann wiederum eigene Dynmaiken entwickelt.
Genau aus diesem Grunde war das Ziel der Angriffe ja keine Moschee, kein Asylheim oder ähnliches, sondern gerade die "Sozialdemokratische Partei Norwegens". Das ist auch der wichtige Bezug, denn der militante Angriff auf den politischen Gegner entwickelt erst eine Dynamik. [ Die alten Nazis in Deutschland haben in der Radikalisierungsphase vor 33 keineswegs jüdische Bürger zuerst angegriffen, sondern den politischen Gegner - SPD und KPD - im Rahmen der Weimarer "Scharmützel".]
Rechtsradikale Politiken sind an keinem Status Quo zu erkennen, sie sind "Prozesse der Radikalisierung" die Undenkbares Denkbar machen können. Dies ist auch historisch so gewesen, ein elementares Kennzeichen rechtsradikaler Politik. Diesen Prozess der Radikalisierung hat der Massenmörder in Norwegen exemplarisch durchlaufen, aber eine Begrenzung auf Norwegen ist angesichts der internationalen Vernetzung unmöglich.
Die Tat selbst mag nur ein "Wahnsinniger" durchführen können, die Prozesse, die seinem "Wahnsinn", diese und keine andere Gestalt gegeben haben, sie laufen weiter. (Übrigens: Wenn man heute eine Straßenumfrage zum Geisteszustand von NS-Größen durchführen würde, dann würde wahrscheinlich eine Mehrheit der Leute sie als "Wahnsinnige" beschreiben. Ein alter Grundfehler der staatstragenden NS-Aufbereitung. Vielleicht kann man sich als normaler Mensch auch nicht vorstellen, dass man derartiges "normal" tun kann.)
Die Grenzen sind immer fließend , fasst man all die Toten und Verletzten durch rechten Terror z.B. in der Bundesrepublik seit der sogenannten "Wiedervereinigung" zusammen, dann haben wir ebenfalls erschreckende Zahlen.
(23.07.2011)
In Norwegen hat ein wahrscheinlich nationalistisch-christlich-esoterisch verwirrter Attentäter im Zentrum Oslos eine Bombe gezündet und ist darauf in einem Feriencamp der Sozialdemokratischen Partei Norwegens "Amok" gelaufen. Bei dem Attentat kamen mehr als 70 Menschen ums Leben.
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Wahrscheinlich wird man keine Beweise für ein organisiertes/abgestimmtes Vorgehen finden (Im Sinne Terrororganisation). Dennoch muss man die Frage stellen in wie weit ein Rechtsruck, insbesondere auch in Skandinavien, einen Bodensatz von Einstellungen erzeugt, die bisweilen, und bisher im Einzelfall eskalieren. Insoweit macht es Sinn nach abstrakten Ursachen zu fragen, und nicht allein bei psychologischen Betrachtungen des Einzeltäters stehen zu bleiben. Offensichtlich hatte der Mörder biographische Eckdaten, die es wahrscheinlich machen, dass er sich im Netz des rechtsradikalen-rechtspopulistischen Bodensatzes und seiner abgestuft-radikalen Organisationen verfangen hat. Jedenfalls, wenn die vorliegenden biographischen Informationen zutreffen.
Insbesondere ist interesant, dass der neue Rechtsradikalismus weniger im Gewande einer politischen Ideologie als vielmehr im Sinne einer diffusen "kulturellen" Lebenseinstellung auftreten kann, die von rechtpopulistischen bis "esoterisch-christlichen" Versatzstücken so ziemlich alles abgreift, was an "anti-liberalen" Positionen zu finden ist, ein ganzheitlicher rechtsradikaler Lebensentwurf also, der sich nicht allein politisch manifestiert, sondern auch kulturell. Daß man dann schonmal verwirrt ist, liegt in der Natur der Sache, da diese seltsamen Einstellungen immer an der Grenze zur Wahnvorstellung sind.
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Andererseits, auch wenn sich im Laufe der Zeit andere Ursachen festmachen lassen, lohnt sich der Blick nach Skandinavien. Eigentlich ist die Situation sehr passgenau, also denkbar, sie war schon länger erwartet worden, auch wenn nun alle sehr überrascht sind. Die Indizien häuften sich etwa seit der Jahrtausendwende. Schon 2005 wies der Schweizer Filmemacher "Daniel Schweizer" in seinem preisgekrönten Film "White Terror" auf derartige Situationen und Radikalisierungspotentiale hin.