[ Utøya & Kultur und Klasse & COMPSTAT - "The Wire" ]
Da uns hier Nachfragen erreichten - wir teilen zu den im Text unten kurz angesprochenen sogenannten Stolpersteinen, die mittlerweile von mehreren unterschiedlichen Künstlern hergestellt werden, die Einschätzung der seinerzeitigen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden Frau Knobloch, deshalb haben wir hier nochmal einen Link zu dieser Stellungnahme untergebracht.
Im Bezug auf die sogenannte "Ordensburg Vogelsang" teilen wir die vom ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, angemerkten Einschätzungen. Des weiteren: Unsere Performances Zur von der Kunsthochschule für Medien Köln herausgegebenen Publikation findet sich HIER eine Einschätzung, zudem gehen wir dort der Frage nach Landschaft(s)Architektur im Zusammenhang mit der sog. ehem. Ordensburg Vogelsang nach.
Die im Rahmen der Aktion "vorübergehend" zurückgelassenen zerkratzten Fenster sind, wie bereits mehrfach zum Ausdruck gebracht, Zeichen unserer Wut - sie sind kein Mahnmal - sie sind Reste einer Aktion. So das war die Kurzfassung - geht doch - und sonst:
Sämtliche im Bezug zu unseren Arbeiten stehenden relevanten Texte finden sich ausschließlich innerhalb unserer Website. Wir verstehen uns hier auch nicht als Teil einer Gruppe, oder einer Gruppenausstellung, wir sehen unsere Arbeiten als Einzelausstellungen/Einzelarbeiten.
Es ist leicht die Zeit von 1933-1945 als einen abgeschlossenen "Unfall" in der deutschen Geschichte mit klar verteilten Opfer/Täter Rollen zu begreifen. Das "Mahnmal" [als sichtbarste Form der "Erinnerungsproduktion", die ja immer auch das Ergebnis, und derAusgangspunkt von Inhalten ist] hat grundsätzlich die Eigenschaft etwas als abgeschlossen darzustellen, es führt vor Augen, dass es einmal eine Zeit gegebeben hat in der furchtbare Dinge geschhen sind, dass diese Zeit aber nun vorbei sei - nun muss man im Prinzip nichts mehr tun, man geht zum Denkmal und legt einen Kranz nieder. Da das "Mahnmal" ein abgeschlossenes eng begrenztes Werk ist, dennoch lineare Kontinuität behauptet, bedingt es eine Vereinfachung.

:asche2:reactor:videostill:mind-the-gap:
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Das Problem ist also, dass "kritsiche, gebrochene Kontinuität", schon durch die Abgeschlossenheit eines Rituals nur sehr schwer thematisiert werden kann, es sei denn, die Problematik linearer Kontinuität selbst wird thematisiert. Der Ort des Mahnmals ist also auch ein Ort der Strukturierung, der Selbstvergewisserung, ein Ort der komplexeste Strukturen und Zusammenhänge soweit vereinfacht, dass er eine Identifikation ermöglicht. Ganz konkret im Falle Deutschlands konnte es zu einer Aufteilung der Gesellschaft in Opfer, Täter und graue Masse kommen, zumal auch der juristischen Aufarbeitung eher Steine in den Weg gelegt wurden, insbesondere der grauen Masse, die ja nach 1945 schlagartig nicht mehr wusste wer Hitler war, wer diesen Kerl an die Macht gebracht hatte, wurde so auch eine Identifikation mit den Opfern ermöglicht, die sicherlich von der eigenen Rolle als "kleiner" Mittäter entlastete. Dieser Prozess ging zunehmend in eine Umdefinition über, bis schließlich alle irgendwie Opfer waren, und nur eine kleine böse Minderheit all den Schrecken ermöglichte. Darauf ließ sich, vor allem im 21. Jahrhundert, auch im Zuge der europäischen Einigung, ein Trend beobachten, der deutsche Tote der alliierten Luftangriffe, oder deutsche "Vertriebene" thematisierte und vor allem verglich mit den Opfern des NS-Faschismus. Theoretisch liegt auch gerade hier die Schwäche des traditionellen "Mahnmals", denn es kann aus sich selbst, und gerade als Opfermahnmal, weder der Hierachisierung der Opfer noch der potentiellen Verallgemeinerung des Opfers etwas entgegensetzen, es sei denn, es würde gerade diese Problematik, eben in einem deutlichen Abstraktionsschritt problematisieren, dies wäre allerdings ein Diskurs, der in ein kritisches Verhältnis zur etablierten Mahnmalstradition treten würde, und so möglicherweise gerade jene in eine kritische Betrachtung mit einbezieht, ohne die es wahrscheinlich überhaupt keine Erinnerungsarbeit geben würde.
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